IHK Messebericht über Tapir
Bodo Rengshausen-Fischbach hat mit der Tapir Wachswaren GmbH im Jahr 1983 sein erstes Unternehmen gegründet. Inzwischen verkauft er seine hochwertigen Pflegeprodukte für Leder und Möbel bis nach Asien.
Den richtigen Riecher
Bodo Rengshausen-Fischbach hat mit der Tapir Wachswaren GmbH im Jahr 1983 sein erstes Unternehmen gegründet.
Inzwischen verkauft er seine hochwertigen Pflegeprodukte für Leder und Möbel bis nach Asien. „Ich wusste schon sehr früh, dass ich
nicht für andere arbeiten will“, hatte sich Bodo Rengshausen-Fischbach
als Student in den Kopf gesetzt. Sein Ethnologie-Studium an der Universität Göttingen beendete er nicht, eine Ausbildung absolvierte er auch nicht. Inzwischen ist der 55-Jährige ein Multi-Unternehmer. In der Göttinger Uni-Bibliothek fand er damals die ersten Rezepte für sein erstes Unternehmen, das im vergangenen Jahr 30 Jahre alt wurde: die Tapir Wachswaren GmbH.
Vom Firmensitz in Amelsen bei Dassel stellen Rengshausen-Fischbach und
seine acht Mitarbeiter in einem Fachwerkhaus Pflegeprodukte für Leder und
Holz her. Im Jahr 2002 gründete er mit seinem Bruder und einem weiteren Partner die Vereta GmbH. Das Einbecker Unternehmen produziert Feinstaub-Messgeräte für Schornsteinfeger und wurde 2013 mit dem Göttinger Innovationspreis ausgezeichnet. Im Jahr 2010 hob er zusammen mit zwei weiteren Unternehmern die Einbecker Senfmühle aus der Taufe. Da sich das Unternehmen gut entwickelte, stieg er vor einigen Monaten planmäßig wieder aus.
Auto-Restauration als Hobby
„Als Student habe ich mit einem Freund alte Autos restauriert. Damals habe ich
immer überlegt: Wie kann man das Leder so behandeln, dass es geschmeidig
bleibt und weniger verschleißt? Dann habe ich in der Uni-Bibliothek nach alten
Rezepten recherchiert. Die Kombination von Ethnologie und alten Rohstoffen hat mich fasziniert“, berichtet der Unternehmer lebhaft. Eine alte Hamburger Wachsbleiche, die teilweise noch die exotischen Wachse auf Lager hatte, setzte Anfang der 1980er Jahre seine Rezepte um. Sein erstes Produkt war ein Balsam zur Pflege von Ledersitzen. Im Jahr 1983 gründete Bodo Rengshausen-Fischbach die Tapir Wachswaren GmbH.
Ein Tapir im Logo
Der Unternehmer suchte von Anfang nach einem Markennamen, den man in allen Ländern aussprechen kann. Dann fiel ihm das sympathische Säugetier ein. Seitdem trägt die Firma im Logo einen Tapir mit Schuh am rechten Hinterfuß. Lederbalsam, Lederpflegecreme, Ledersohlenpflege, Lederimprägnierung, Schuhbürsten oder Möbelpolitur: Das Sortiment umfasst inzwischen ein gutes Dutzend Produkte, die teilweise in verschiedenen
Varianten erhältlich sind. Neuerdings bietet Tapir seinen Kunden auch Schuhputzkästen aus heimischem Buchenholz an.
Mit Manufactum kam der Schub
„Zunächst waren die Tapir-Produkte nur in Öko-Kreisen bekannt“, berichtet der Unternehmer. Ende der 80er Jahre ging das Versandgeschäft Manufactum
an den Start. Die Tapir-Produkte waren bereits früh im Katalog mit dem Slogan
„Es gibt sie noch, die guten Dinge“ abgebildet und ausführlich beschrieben.
„Das war gut für uns, da bekamen wir einen breiten Auftritt. Damit haben wir einen ordentlichen Schritt nach vorn gemacht und wurden beispielsweise auch
beim Naturmodeversand Deerberg aufgenommen“, so Rengshausen-Fischbach.
In Deutschland verkauft Tapir seine Produkte für Schuhpflege und Lederpflege ferner über den ökologischen Großhandel und den Facheinzelhandel (Schuhgeschäfte, Ökoläden). Ein kleiner Teil des Umsatzes wird über den eigenen WebShop erzielt.
Export bis Asien
Das Unternehmen hat einen Exportanteil von 40 Prozent. Die Produkte werden
in Österreich, Frankreich und seit einigen Jahren auch in den nordischen Ländern wie Schweden und Dänemark gut verkauft.
„China und Korea sind stark im Kommen und fragen hochwertige deutsche Produkte nach“, berichtet der Tapir-Chef. Ein weiterer Schwerpunkt ist Japan. Als der Unternehmer mit seiner Frau kürzlich dorthin reiste, konnte er seine Produkte in einigen Edelboutiquen Tokios finden. „Unsere
Produkte für Schuhpflege sind in Japan extrem teuer. Das liegt daran, dass der Versandweg und die Handelsspannen aufgrund der hohen Mieten groß sind.“ In Japan stehen die Originalprodukte mit deutschem Etikett in den Verkaufsregalen und werden vor Ort noch sehr aufwändig verpackt.
Rohstoffe aus allen Kontinenten
In einer alten Scheune hat das Unternehmen sein Lager. Das große Holztor steht offen. Auf dem Boden und in den Regalen stehen viele Behälter und Säcke. Die Aufkleber darauf verraten, was drin ist: Bienen-, Schellack- oder Carnaubawachs, Rizinus- oder Kokosöl, Lanolin, pflanzliches Stearin, Orangenterpene, Balsamterpentinöl, Erdfarbpigmente und
Salmiakgeist.
Die Rohstoffe kauft das Unternehmen selbst ein. „Wir beziehen Produkte aus fast allen Kontinenten“, sagt Rengshausen-Fischbach. Die Rohstoffe,
die Leder wieder geschmeidig machen, kommen teilweise sogar aus Brasilien, Indien oder Thailand.
Biologisch und gentechnikfrei
So weit es geht, stammen sie aus kontrolliert biologischem Anbau. Außerdem
sind die Rohstoffe gentechnikfrei. So hat die kleine Firma im Laufe der Jahre ein
konsequent natürliches Lederpflege Programm entwickelt. Transparenz für die
Verbraucher schreibt Tapir groß: „Wir deklarieren auch alle Rohstoffe, obwohl es
keine gesetzliche Regelung zur Volldeklaration gibt. Ich glaube wir sind die einzigen, die das im Bereich Lederpflegemittel machen“, erklärt der Tapir-Chef.
Das Wachswaren-Unternehmen steht auf der Positivliste des deutschen Tierschutzbundes. Rohstoffe oder Produkte, die im Tierversuch getestet wurden, werden nicht eingesetzt. Tapir führt weder selbst Tierversuche durch, noch gibt es diese in Auftrag. Außerdem unterstützt die Firma einen Fund in den USA, der sich für den Schutz der bedrohten Tapire einsetzt.
Im Frühjahr will Bodo Rengshausen-Fischbach mit einer neue Produktlinie an den Start gehen. Man darf vermuten, dass er auch dann den richtigen Riecher hat.
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